Liebst du dich eigentlich?

Kinder lernen Selbstliebe nicht aus Büchern. Sie lernen sie von uns. Ein Gedankenanstoß dazu und eine praktische Übung für Familien in der neuen Ausgabe von meinem Newsletter "Der Begleiter".
Liebst du dich eigentlich?

Selbstliebe beginnt bei uns und wächst mit unseren Kindern

Frage an dich:
Liebst du dich eigentlich?
Wenn ja, woran merkst du es?
Wenn nein, was wäre, wenn du es könntest – genau so wie du bist?

Zitat für dich
Ein Satz aus dem bekannten Gedicht, das Charlie Chaplin vortrug, aber von Kim McMillen stammt, begleitet mich dabei:
«Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin… Heute weiß ich: Das nennt man Vertrauen.»

Wie wir Kinder auf dem Weg zur Selbstliebe begleiten
Und was bedeutet das für unsere Kinder? Wie können wir sie so begleiten, dass sie zu Erwachsenen werden, die sich selbst lieben und vertrauen?

Ein Rezept zur Selbstliebe gibt es nicht. Aber es gibt Hinweise darauf, was sie wachsen lässt und was sie schwächt. Vieles davon beginnt bei uns, denn Kinder lernen am Modell. Sie spüren unser Innenleben, auch dann, wenn wir es nicht in Worte fassen.
Die Begleitung zur Selbstliebe unserer Kinder beginnt also bei uns, bei der Frage, wie wir mit uns selbst umgehen.

Kinder brauchen Erwachsene, die im Vertrauen handeln, nicht in Angst. Familien brauchen Räume, in denen Echtheit mehr zählt als Perfektion. Und Pädagogik braucht Menschen, die sich selbst annehmen, sodass sie Kinder wirklich sehen können.

Eine Übung für deine Familie: Das Stolz-Glas
Jedes Familienmitglied bekommt ein eigenes Glas. Einmal pro Woche schreibt oder malt ihr auf einen Zettel, worauf ihr stolz seid. Manchmal ist es etwas Grösseres, vielleicht eine Aufgabe, die ihr geschafft habt oder etwas, das ihr ausprobiert habt. Manchmal ist es ganz klein, wie ein freundlicher Moment oder ein kurzer Augenblick, in dem ihr gemerkt habt: das war gut. Und manchmal dürfen auch Fehler ins Glas wandern, wie zum Beispiel: ich habe einen Fehler gemacht und nicht aufgegeben. Auch darauf können wir stolz sein.

Mit der Zeit füllt sich das Glas. Und wenn es irgendwann voll ist, nehmt ihr euch Zeit, die Zettel durchzusehen. Ihr erinnert euch an die Momente, kommt ins Gespräch, denkt gemeinsam zurück. Vielleicht verbindet ihr das mit einem kleinen Ritual, wie zum Beispiel einem Lieblingsessen oder einfach einer gemütlichen Stunde zusammen.
Sich der eigenen Selbstwirksamkeit bewusst zu werden und zu spüren: ich kann etwas, ich habe schon viel geschafft. Das tut gut. Nicht nur Kindern, sondern auch uns Erwachsenen.

Wenn du magst, erzähl mir, ob ihr das Stolz-Glas in eurer Familie ausprobiert und welche Erfahrungen ihr dabei macht.

Lust auf mehr? Der Lese-Tipp:
Das Zitat stammt aus Kim McMillens Buch When I Loved Myself Enough (1996).

Eine Einladung
Wenn wir uns selbst mehr Freiraum geben, entsteht auch mehr Raum für unsere Kinder, echt zu sein.
Ich lade dich ein, heute über diese beiden Fragen nachzudenken:

Woran merkst du, dass du dir selbst mit Vertrauen begegnen kannst?
Welchen kleinen Schritt für mehr Selbstliebe nimmst du dir die nächste Woche vor?

Ein Rezept zur Selbstliebe gibt es nicht. Aber es gibt Hinweise darauf, was sie wachsen lässt und was sie schwächt. Vieles davon beginnt bei uns, denn Kinder lernen am Modell. Sie spüren unser Innenleben, auch dann, wenn wir es nicht in Worte fassen.

Manchmal reicht ein kleiner Moment, wenn wir uns eine Pause gönnen, freundlich zu uns selbst sprechen oder einen Fehler gelassen annehmen. Kinder beobachten genau. Und sie lernen: Es ist erlaubt, sich selbst zu mögen.

Vielleicht magst du dir deshalb heute die Frage stellen: Wie zeigst du dir selbst, dass du dich liebst und was davon sehen deine Kinder?

Lesefortschritt

Kapitel des Beitrages

Julian Lehnhardt

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Der Begleiter

Magazin für Systemische Wegbegleitung

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